Auch in diesem Jahr hat der Paritätische wieder an der Pride-Parade in der Hauptstadt teilgenommen.
Vielfalt ist alternativlos. Das steht für uns als Verband fest. Kurzum: Wer sich für die Selbstbestimmung von Menschen einsetzt, kann dies nur für alle tun oder ist unglaubwürdig. Menschenrechte sind universell und gelten für alle Menschen – ohne Vorbehalte. Ganz egal, ob es um Armutspolitik, die Rechte behinderter oder geflüchteter Menschen und die von Kindern oder pflegender Angehöriger geht: Der Paritätische ist der Anwalt für Vielfalt, Offenheit und Toleranz, und das schon seit einhundert Jahren. Die Rechte queerer Menschen gehören unzweifelhaft dazu. Und deswegen waren wir auch in diesem Jahr am letzten Juli-Wochenende beim Berliner Christopher Street Day zusammen mit hunderttausenden Menschen auf der Straße!
Solidarität statt Ausgrenzung
Wir fühlen uns unseren zahlreichen queeren Mitgliedsorganisationen, Paritäter*innen und Klient*innen verpflichtet. Zu den überregionalen Paritätischen Mitgliedsorganisationen und Angeboten im Bereich Queer gehören: Deutsche Aidshilfe, ASB Queer, Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren BISS, Bundesverband Trans*, Dachverband Lesben und Alter, LSVD+, pro familia, Lambda Bundesverband und Queere Bildung.
Pride=politische Demonstration
Der Paritätische Gesamtverband ist schon das dritte Mal in Folge beim Hauptstadt-CSD mit dabei. Denn die Pride ist eine politische Demonstration für Demokratie und Vielfalt. Der Paritätische hat als erster Spitzenverband innerhalb der Wohlfahrt bereits 2021 menschenrechtliche Eckpunkte zum Schutz sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität verabschiedet und dieses Jahr mit seinem queerpolitischen Grundsatzpapier diese ergänzt und aktualisiert. Wir meinen: Es braucht hier eine klare und offene Haltung. Die Rechte queerer Menschen sind kein Nischenthema. Sie sind Spielball der Angriffe von Rechtsaußen und Spiegel dessen, wie es um unsere gesellschaftlichen Grundwerte steht.
Rechte queerer Menschen im Fokus
Beim CSD 2025 waren in der Hauptstadt Paritäter*innen aus über 30 Organisationen mit uns auf der Straße. Gemeinsam mit dem Paritätischen Landesverband Berlin zogen wir zu Fuß und auf einem Truck durch die Innenstadt, um bunt und laut auf die Rechte queerer Menschen aufmerksam zu machen. Dies geschah auch mit vielfältigen Wortbeiträgen, u.a. von Serkan Wels vom Arbeitskreis queer*human vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg, Uwe Brohl-Zubert vom Paritätischen Landesverband Berlin, von Michelle Kortz, Mitglied des Bundesvorstands LSVD+ und Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.
Paritätischer Gesamtverband steht für Vielfalt ein
Joachim Rock betonte unter anderem in seinem Redebeitrag: “Zur Vielfalt gibt es keine Alternative. Wir wollen Vielfalt ohne Alternative. Man kann Uhren zurückdrehen, die Zeit läuft weiter. Wer immer da die Vergangenheit nicht vergehen lassen will, dem rufen wir zu: nicht hier, nicht heute, nicht morgen und vor allem: nicht mit uns!”
Der Berliner CSD stand 2025 unter dem Leitsatz „Wir hören nicht auf, bis alle gehört werden!“, machte also die mangelnde Sichtbarkeit queerer Belange und Menschen zum Thema. Ein Anliegen, das auch der Paritätische teilt. Der Verband engagiert sich in seiner Arbeit dafür, dass Queerpolitik ein gesellschaftspolitisches Querschnittsthema wird. Dies nicht nur zur Pride Season, sondern 365 Tage im Jahr.
Queerpolitisches Grundsatzpapier
Im oben bereits benannten Grundsatzpapier mit dem Titel „Demokratie braucht Vielfalt - Vielfalt braucht Demokratie!“ werden 14 konkrete Handlungsfelder identifiziert, in denen dringender politischer Handlungsbedarf besteht. Zu den zentralen Forderungen zählen:
- menschenrechtskonforme Umsetzung des Selbstbestimmungsgesetzes
- überfällige Modernisierung des Abstammungsrechts
- Beendigung von Diskriminierung im Gesundheitssystem
- Stärkung des Gewaltschutzes und konsequente Bekämpfung von Hasskriminalität
- Schutz geflüchteter LSBTIQA*-Personen
- Gewährleistung von Räumen, Partizipation und Bildung für queere Kinder und Jugendliche
Einsatz für queere Themen nicht nur zur Pride Season
Der Paritätische ist überzeugt, dass in den Zeiten, in denen die Rechte queerer Menschen zum Spielball von Rechtsaußen werden, der Einsatz für queere Rechte unerlässlich ist. Ihre Durchsetzung ist ein Gradmesser für das demokratische Miteinander in Deutschland. Dass die Frage diskutiert wird, ob und wo Regenbogenfahnen gehisst werden dürfen oder nicht, zeigt, dass es an tatsächlicher Akzeptanz für queere Themen fehlt. Auch muss Akzeptanz das ganze Jahr erlebbar sein. Es reicht nicht, einmal im Jahr eine Flagge zu hissen, das ist zwar schön anzusehen, verbessert die Situation queerer Menschen aber nicht spürbar. Darauf kommt es aber an, denn queere Menschen sind allesamt Teil der demokratischen Mitte unserer Gesellschaft.